Stuttgarter Schlossplatz – Unterwegs mit meinen neuen Graufiltern

Neu in meine Ausrüstung hinzugefügt wurde ein Graufilter, den ich mir schon etwas längere Zeiten wünschte. Bei meinen Recherchen stellte ich schnell fest, dass man für einen Graufilter ordentlich viel Geld liegen lassen kann. Da dies meine ersten Graufilter sind und ich diese erst ausprobieren möchte, bevor ich mich in Unkosten stürze, sollten meine neuen Filter nicht zu teuer sein. Ich entschied mich für ein Dreierset der australischen Firma GOBE für um die 50€. Mit einem ND8, ND64 und ND1000 Filter erhält man eine, für mir sehr sinnvolle und breitgefächerte, Auswahl.

Für was ist ein solcher Filter gut?

Viele dürften den Effekt kennen, wenn man nachts ein Bild machen möchte, die Kamera auf ein Stativ stellt und mehrere Sekunden belichtet. Je länger man belichtet, wird das Bild immer heller. Somit erkennt man auch in tiefster Nacht Details der Umgebung. Bewegungen verschwimmen stark – bei sehr langen Belichtungszeiten sogar so stark, dass sich bewegende Objekte komplett verschwinden.

Was macht man nun, wenn man bei helllichtem Tag mehrere Sekunden belichten möchte? Macht man das ohne Hilfsmittel, wird das Bild auf Grund der viel zu hohen Lichtmenge viel zu hell. Ein Graufilter schafft Abhilfe. Dieser hat eine gewisse Lichtdurchlässigkeit. Je höher die Kennziffer auf dem Filter, desto lichtundurchlässiger ist er.

Stellt man die drei Filter, die ich gekauft habe in einer Tabelle gegenüber wird deutlich, was hier mit der Lichtmenge passiert.

Filtertyp Anzahl der
Blendstufenverringerung [n]
Lichtdurchlässigkeit [%]
ND8312,5
ND6461,5
ND1000100,098

Das bedeutet, dass im Falle des ND1000 Filters, der für meine Bilder in diesem Beispiel verwendet wurde, die eingestellte Blende an der Kamera um Faktor 10 verringert wird. Fotografiert man nun mit einer Blende von f2, wird die einfallende Lichtmenge so stark verringert, dass es ohne Filter einer Blende f20 entsprechen würde, da nur noch 0,098% der eigentlichen Lichtmenge beim Sensor ankommt. Durch diesen Effekt hat man dann die Möglichkeit, deutlich länger zu belichten, ohne das das Bild überbelichtet.

Der Effekt

Stuttgarter Schlossplatz. Schloss mit Brunnen im Vordergrund

Wie man nun unschwer erkennen kann, verschwimmen nun auch bei Tageslicht die Bewegungen der Menschen so stark, dass sie kaum noch zu sehen sind. Per Photoshop lassen sich die „Reste“ der Personen mit Leichtigkeit entfernen.

Stuttgarter Schlossplatz. Schloss mit Brunnen im Vordergrund

Die Wasserbewegungen verschwimmen so stark, dass keine einzelnen Tropfen mehr wahrnehmbar sind. Stattdessen entsteht eine samtig weiche Wasserbewegung. Auch das Wasserbecken in dem sich das Wasser von oben sammelt, wird samtig weich und bekommt eine matte Oberfläche. Spiegelungen im Wasser sind somit kaum noch sichtbar.

Die Nachteile

Ein solcher Filter hat auch Nachteile. Viele der Filter, vor allem die Billigfilter, verfälschen sehr stark die Farben eines Bildes. Für mich haben diese Nachteile allerdings keine Relevanz, da ich ohnehin eher selten die Farbgebung eines Bildes im Photoshop originalgetreu beibehalte.

Ein Nachteil speziell meiner Filter ist, dass diese Filter auf das vorhandene Objektiv geschraubt werden. Somit passen die Filter auf kein anderes Objektiv, außer es hat auch einen Durchmesser von 43 mm. Vielseitiger und für alle Objektive im Sortiment passend, wäre ein Steckfiltersystem mit Filterhalter. Dieser Filterhalter lässt sich an jedem Objektiv befestigen und einzelne Filter per Stecksystem einsetzen. Der Nachteil an solchen Systemen ist allerdings, dass eventuell seitlich eintretende Licht, da der Filterhalter nicht sauber mit dem Objektiv abschließt. Je nach Variantenvielfalt eines solchen Systems, können dann sehr schnell mehrere Hunderte Euro für solche Filter zusammenkommen. Hier sollte man meiner Meinung nach gründlich abwägen, welches System für einen das Beste ist.

Potential

Stuttgarter Schlossplatz. Schloss mit Brunnen im Vordergrund

Aufnahmen vom Strand in Richtung Meer, lassen das Meer wie einen matten Spiegel wirken, der auch den Wellengang verschwinden lässt. Wasserfälle werden, je nach Belichtungsdauer weichgezeichnet. Ein Tropfenbach wirkt auf einem solchen Bild viel ruhiger und homogener. In einer Szene, in der viele Menschen an der Linse vorbeilaufen werde quasi ausgeblendet. Somit kommt ein Objekt, an dem viele Menschen vorüber laufen, nach längerer Belichtung enorm gut zur Geltung.

Diese Anwendungen möchte ich spätestens an meinem nächsten Trip voll auskosten und werde euch darüber berichten. Mit hoffentlich schönen Ergebnissen.